Gisela Dietz
Pharmazeutin, Autorin und Fachjournalistin

Recherche

Nach dem Buch ist vor dem Buch

Jeder der schreibt weiß, der Leitsatz aus dem Fußballmetier gilt abgewandelt auch für Literaten. Kaum ist das eine Buch fertig, keimen schon die Ideen für ein neues Projekt.
Bei mir war es ähnlich. Mein "Erstling", die historische Romanbiografie über den Homöopathiebegründer Samuel Hahnemann, war gerade gedruckt, da war ich schon mittendrin im Nachdenken über meinen zweiten Roman. Ein politischer Gegenwartsthriller sollte es werden, fiktiv und spannend.
Schauplatz die sudanesische Krisenregion Darfur, Hauptakteure ein vermisster deutscher Journalist und seine Lebensgefährtin, rundherum ein dicht gesponnenes Netz aus Fragen.
Was tun? Wo anfangen mit den Recherchen?
Hatte ich bei Hahnemann auf mein Fachwissen als Pharmazeutin zurückgreifen können, vertraute ich jetzt meinen journalistischen Erfahrungen. Ich machte mich ans Werk und stellte bald fest, die Arbeit war schwieriger, als ich gedacht hatte. Nichts sagende Interviews, glatt gebügelte Homepages und beeindruckende Statistiken begegneten mir überall dort, wo ich mit offiziellen Amtsvertretern und Politikern sprach. Das war nicht das, was ich wollte und für mein Buch brauchte. Also nervte ich Freunde und Bekannte, telefonierte, mailte nach Afrika, traf mich mit Vertretern von Hilfsorganisationen und langsam wuchs ein Netzwerk, das mir wertvolle Informationen lieferte. Blieb die Frage: Musste ich selbst in den Sudan, um glaubwürdig zu sein?
Auch dazu gaben mir meine Helfer überzeugende Antworten. Bleib zu Hause, rieten sie mir. Da bist du sicher und verlierst nicht die nötige Distanz zum Schreiben.
Diesen Rat habe ich befolgt. Ich bin am heimischen Schreibtisch geblieben, sitze über den letzten Korrekturen am Manuskript und hoffe, auch mein zweites Buch wird bald das Licht der Welt erblicken.